Nichtstun ist (k)eine Zeitverschwendung 

Termin folgt auf Termin. Immer die Deadlines im Nacken. An die (privaten) Pflichten erinnert zwischendurch das Audiosignal des Handys: Kurznachrichten, E-Mails, Messenger-Nachricht. 

Dem permanenten Stress ausgesetzt? Jetzt sagt ihr vielleicht „Wovon reden die, ist doch so gut wie alles geschlossen“ Aber überlegt Mal zumindest im Bereich Schule gibt es immer mehr Onlineveranstaltungen. Weil man ja nirgendwo hinfahren muss, wird auch gleich impliziert, dass man da mehrere an einem Tag wahrnehmen kann…Da muss ich mich für meine Work-Life-Balance zwingen zumindest stundenweise mal nichts zu tun. 

Oscar Wilde, der irische Schriftsteller hat schon gesagt:

„Gar nichts tun, das ist die aller schwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.“ 

Kann man überhaupt ‚Nichtstun‘? 

Ein anderes Wort für Nichtstun ist untätig sein, ohne eine Aktivität sein.  

Kommt wahrscheinlich auf die Definition an. 

Also wenn ich meine ich tue nichts, dann gönne ich mir eine Ruhepause, dann habe ich freie Zeit, ohne Arbeit. 

Aber der richtige Umgang mit der Lebenszeit ist einfach eine schwer erlernbare Kunst, zumindest aus meiner Sicht. 

Ein paar Fragen, die ihr Euch selbst stellen könnt: 

Womit verbringst du deine freie Zeit?

Was tust du, wenn du mal nicht arbeiten musst und auch sonst keine Verpflichtungen hast?

Nutzt du das, um so richtig zu entspannen, auf der Couch zu liegen und Filme zu schauen, oder arbeitest du an einem persönlichen Projekt weiter. 

Ich neige eher zu letzterem. 🙊

Ich bin schlecht darin nichts zu tun. Ich weiß, das kann auch gefährlich sein. 

Es mag Menschen geben, denen fällt das leicht. 

Beim Nichtsmachen bleibt nichts ungemacht“, heißt es bereits in der altchinesischen Spruchsammlung Tao Te King. Die vom legendären Philosophen Laotse stammen soll, der im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll.  

Egal wer das gesagt hat, der Rat gilt heute noch genauso wie damals: Viele Psychologen, Philosophen und Managementtrainer raten zum Innehalten – oder dazu, eine Zeit lang absolut nichts zu tun. 

Was so einfach klingt, kostet freilich Überwindung. Schließlich ist reines Nichtstun in der westlichen Kultur als Müßiggang oder Faulenzen verpönt. Viele fühlen sich schuldig, wenn sie nicht wenigstens irgendwie beschäftigt sind. Doch Freiräume sollten nicht auch noch mit Aktivität gefüllt werden, sagen Lebensberater. Die ständige Geschäftigkeit berge die Gefahr, sich von den eigentlichen Lebenszielen ablenken zu lassen. 

Wann habt ihr zuletzt einfach mal bewusst nichts getan? 

Die Menschen aus den Niederlanden haben dafür sogar ein Wort “niksen“ 

Niksen erinnert ein bisschen an „Hygge“ und „chillen“. Eigentlich ist das auch gar nicht neu, denn im Prinzip ist damit das gute alte Nickerchen, der Mittagsschlaf gemeint. Das haben wir aber schlichtweg verlernt, bzw. haben gleich ein schlechtes Gewissen, wenn wir es wirklich mal nötig haben. 

Zum Niksen gibt es also eine 📖 Anleitung:

Niksen – Wie man Glück im Nichtstun findet“ von Annette Lavrijsen.

Das Buch ist im Februar dieses Jahrs erschienen.

Die ehemalige Redakteurin der niederländischen „Women’s Health“ erklärt in einem hübsch gemachten, kurzen Ratgeber mit vielen Beispielen und Alltagssituationen, wie „Nichtstun“ geht. Mit kleinen Übungen und Denkanstößen lernt der Leser, achtsamer durch den Alltag zu gehen und auf eigene Bedürfnisse zu hören.  

Da braucht man keinen Lotussitz erlernen oder irgendwelche „Verrenkungen“ machen, es reicht nichtszutun😉 

Warum wir das Niksen empfehlen? 

Die Niederländer sind laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Land mit der besten Work-Life-Balance. Deutschland belegt nur Platz acht. 

Die Niederländer gehören schließlich zu den glücklichsten Menschen auf dieser Erde vgl. https://worldhappiness.report/ . Auf 212 Seiten wird erklärt warum welches Land in welcher Kategorie besonders glückliche Menschen hervorbringt. Da liegen die Niederlande auf Platz 6, Deutschland sucht man in der Top Ten vergeblich – also warum da nicht beim Nachbarn gucken und dazulernen? 

 Regelmäßiges Entspannen wirkt sich auf Gesundheit, Beziehungen, Kreativität und Produktivität aus. In den Zeiten der Pandemie haben wir schon so viel Neues über uns gelernt – warum jetzt nicht auch noch etwas über das Nichtstun?  

Selbst Gott benötigte ab und zu Pausen 

Wir haben ja schon Angst vor den Momenten völliger Entspannung, weil wir sie als verlorene Zeit empfinden. Stattdessen sollten wir lernen, sie als gewonnene Zeit wahrzunehmen“, betont Frédéric Lenoir, einer der renommiertesten Philosophen und Soziologen Frankreichs: „Jeden Tag gehe ich ohne ein bestimmtes Ziel spazieren, ich schaue zu, wie meine Katze mit meinem Hund herumtollt.“ Er ist überzeugt: „In diesen Zeitabschnitten, in denen ich Druck ablasse, tankt mein Geist neue Energie.“ Seine Effizienz bei der Arbeit sei danach „zehn Mal so hoch“, erklärt der Bestseller-Autor („Was ist ein geglücktes Leben?“)

Pausen sind nicht nichts, sind kein zeitliches Refugium für Faulenzer und Drückeberger“, mahnt auch der ‘Zeitforscher’ Karlheinz A. Geißler. Pausen seien vielmehr der „Humus für Gelegenheiten, die es sonst nicht gäbe, für wichtige Erfahrungen und einmalige Erlebnisse“. Geißler: „Pausen sind Leuchttürme des Daseins, die den Aktiven den Weg weisen und sie bewahren, an den Untiefen ihres Tuns zu scheitern.

Gott hat doch laut den biblischen Erzählungen bei der Erschaffung der Welt am siebten Tag eine Pause eingelegt: „Ohne sie hätte er sich nicht sicher sein können, ob das, was er getan hatte, gut oder weniger gut gelungen war.“ Laut Bibel sei die Pause also unverzichtbarerer Teil jeder kreativen Arbeit, urteilt der emeritierte Professor. 

Schneller vorwärts durchs Nichtstun 

Man kann sein Leben ändern, indem man absolut nichts tut. Biologen haben herausgefunden, dass Innehalten und Nichtstun die Aktivität der Gehirnwellen verlangsamt, den Blutdruck senkt, die Durchblutung fördert, den Energiehaushalt des Körpers verbessert, Stress reduziert und das Immunsystem stärkt. 

Mit Prokrastination zum Lebensglück 

„Wir glauben oft, dass Ziele notwendig sind, um etwas zu erreichen“, heißt es auf „Zen Habits“, einer der meistbesuchten Internetseiten im englischsprachigen Raum zu den Themen Glück, Arbeit, Motivation und Gesundheit. Doch wer sich allzu starr auf Ziele fixiere, verschließe sich zugleich neuen Möglichkeiten: „Wir erreichen zwar das eine Ziel, suchen aber sofort das nächste“ – das stehe dem Lebensglück im Weg. 

Auch die Aufschieberitis ist „nicht die schlimmste Untugend der Welt“, beruhigt der US-amerikanische Philosophieprofessor John Perry. Diese kleine Schwäche, so der Autor des Buchs „Einfach liegen lassen – Das kleine Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun“, habe durchaus ihre Vorteile. „Liegenlasser haben vielleicht nicht die meisten Ergebnisse vorzuzeigen, aber weil sie Ideen und Energien spontan schweifen lassen, kann alles Mögliche entstehen, wofür in einem straffer strukturierten Tagesablauf niemals Raum wäre.“, meint Perry, inzwischen emeritierte Professor für Philosophie in Stanford. 

Man muss nur wie bei so vielem aufpassen, denn Prokrastination kann tatsächlich wirklich ein ernsthaftes Problem sein, seit 2004 wird dazu an der Uni Münster geforscht, wo es auch eine Prokrastinationsambulanz gibt.  

Wer mehr Informationen benötigt, hier gerne weiterlesen: www.uni-muenster.de/Prokrastinationsambulanz  

Da finden sich auch jede Menge Literaturtipps und wissenschaftliche Abhandlungen. 

Nichtstun ist also keine Zeitverschwendung, wenn man es richtig macht 😉 

Zum Abschluss gibt es zum Thema passen wieder ein Gedicht von Helmut Zöpfl. Es heißt:

Aufruf zum Träumen 

„Schau hin auf das Gras, 

die Blumen am Feld 

und halte dich nicht  

für den Nabel der Welt. 

Lass dir Zeit, warte ab, 

lass ab von der Hast, 

wer nur rennt, wer nur hetzt, 

hat nachher das Schönste verpasst. 

Leg dich einfach ins Gras 

Und träum vor dich hin 

Und freu dich am Heute 

Am Leben, am Sinn“ 

Damit sind wir wieder am Ende unseres heutigen Blogeintrages. Wie immer hoffen wir, dass es euch gefallen hat! Lasst uns gerne einen Kommentar da oder schreibt uns eine Mail an team@staerken.net ! Oder schaut vorbei auf:

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Wir wünschen Euch einen schönen Tag

Katharina, Dominique, Jackie und Mary 😊