Hallo ihr Lieben, es ist Sonntag!

Das heißt, es ist wieder Zeit zum Seele baumeln lassen, eventuell sich Gedanken zu machen auf jeden Fall Abstand zu den Erlebnissen der Woche(n) zu nehmen. Und damit sind wir auch schon beim Thema an diesem Sonntag:  

Mit Abstand.  

Überall ist dieses Wort zurzeit zu hören und zu lesen: Das Social Distancing, das Voneinander-Abstand-Halten, bringt uns einander näher, weil wir uns gegenseitig Respekt erweisen. Distanz zu wahren bedeutet, dem anderen nicht auf die Pelle zu rücken, und das kann viele Formen annehmen: 

Die Wissenschaft hat festgestellt 

In der wissenschaftlichen Literatur ist nachzulesen, dass ein Mensch für eine vernünftige „soziale Distanz“ mindestens 1,20 Meter Abstand benötigt. Das wird dann auch noch detaillierter ausgeführt und reicht von der intimen Zone bis hin zur öffentlichen Zone, so breit wollen wir das aber nicht auffächern.

Grundsätzlich ist Festzuhalten: Wir brauchen für das Gelingen unseres Zusammenlebens eine gewisse Distanz. 

In unserer „Bussi-Bussi Gesellschaft“, zu der wir uns in den letzten Jahren entwickelt haben, war nicht mehr viel Platz für den „gebührenden Abstand“. Hat man ihn eingefordert, wurde man meist mit verdutztem Gesicht angesehen und die Frage „Was ist denn mit dir los (verkehrt)?“ wurde zwar nicht immer ausgesprochen, stand aber meist spürbar im Raum.  

Der Abstand, den ich zu einem Menschen wähle, hat unserer Meinung nach auch etwas mit der Wertschätzung zu tun, die ich meinem Gegenüber entgegenbringe. Ich lasse nicht jeden, auch wenn ich ihn schon länger kenne, in meine „Intimzone“ und ich will entscheiden können, wer mir lieber „vom Leib bleiben“ soll.  

Wenn ich aber diese Entscheidungsfreiheit für mich selbst in Anspruch nehme, muss ich sie auch jedem Menschen, der mit mir zu tun hat, zugestehen. Nicht jeder Tag und nicht jede Begegnung sind gleich, deshalb darf auch das Bedürfnis nach verschiedenen „Abständen“ ein Wandelbares sein. 

Abstand halten und Abstand verringern ist aus unserer Sicht auch immer ein Geschenk an unser Gegenüber und im umgekehrten Sinn also auch ein Geschenk an uns. Nicht nur in der „Pandemie Zeit“ ist es richtig, keinen anzustecken zu wollen und niemanden in seiner Gesundheit, ob seelisch oder körperlich, zu gefährden.  

Jemanden mit „gebührenden Abstand“ zu begegnen heißt, seinen persönlichen Raum zu akzeptieren, ihm Zeit zu geben, sich auf eine sichere Distanz einzupendeln und handlungsfähig zu bleiben. 

Jeder eingenommene Abstand zu meinem Gegenüber definiert sich über den Grad unseres gemeinsamen Bekanntseins und der Sympathie, die wir einander entgegenbringen. Ab und zu überschreiten wir willkürlich oder unbewusst unsere sicheren Abstände, dringen ein und lassen das auch bei unseren persönlichen Räumen zu.  

Der Slogan „Abstandhalten – Gesund Bleiben“ gibt uns jetzt die Möglichkeit, über unseren Umgang mit den eigenen „Abständen“ nachzudenken und nachzufühlen, und das ist doch – mit Abstand betrachtet – eine große Chance. 

 

 

Abstand halten, Abstand nehmen und Abstand geben – Aber wovon und von wem oder was eigentlich?

Abstand nehmen bedeutet auch loslassen. Es bedeutet Veränderung oder auch Abgrenzung. Und das ist gar nicht immer so einfach. Wenn wir Etwas oder Jemanden loslassen bedeutet das möglicherweise Verlust. Und Verlust kann einem wirklich Angst machen und sogar verletzend sein. Aber Abstand nehmen kann auch dafür sorgen, dass wir Raum schaffen für etwas Neues. Also einen Neuanfang zulassen.  

»Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.« (Franz Kafka) 

Wir können nicht nur Abstand nehmen, sondern ihn auch geben, falls notwendig. Manchmal können wir es nicht verhindern, dass ein gewisser Abstand besser ist. Zum Beispiel, wenn wir merken, dass wir an einem Hobby keinen Spaß mehr haben und nur noch verbissen nach Erfolgen streben. Oder wenn wir uns in einer Beziehung oder Freundschaft unwohl fühlen und eine Veränderung empfinden, die sich nicht mehr gut anfühlt. Dann kann es helfen ein paar Schritte zurück zu gehen. Zurück gehen, aber wohin denn? Vielleicht zurück zu uns selbst. Zurück zu dem was wirklich wichtig ist und zu dem, worauf es ankommt.  

Aber wie geht das?  

Entschleunigen! 

 

Einfach mal nicht erreichbar sein. Einfach mal nicht ständig verfügbar sein. Das Handy ausmachen und den Laptop zuklappen und raus gehen. Spazieren in der Natur wirkt nachweislich entspannend für den Körper und auch für den Kopf. Wir verpassen nichts, wenn wir nicht den neuesten Tweet oder den neuesten Post auf Instagram sehen. Ganz im Gegenteil, wir gewinnen an Lebensqualität. Wir gewinnen Zeit – Zeit für uns. 

Und was haben wir jetzt davon, wenn wir unsere Gewohnheiten loslassen und uns aus unserer Wohlfühlzone wagen? Immerhin kann das ziemlich beängstigend und gewissermaßen auch anstrengend sein. 

 

 

Möglicherweise…  

… können wir Aufgaben leichter bewältigen. Denn wir haben gelernt, dass wir die Kraft besitzen Probleme lösen zu können.  

… sind wir kreativer. Je weniger wir uns auf ein bestimmtes Thema konzentrieren, desto mehr lassen wir unser Unterbewusstsein arbeiten. Kennt ihr das, wenn ihr am nächsten Tag von eurem Traum erzählen wollt und je mehr ihr darüber nachdenkt, desto weniger könnt ihr euch erinnern? So ähnlich funktioniert das, wenn wir unser Unterbewusstsein nach Ideen und Lösungsansätzen suchen lassen. 

… verstehen wir unsere Emotionen besser. Insbesondere wenn wir verärgert oder frustriert sind, handeln wir selten logisch oder vernünftig. Wenn wir aber Abstand nehmen und verstehen, warum wir verärgert sind, ist es einfacher nicht den negativen Emotionen nachzugeben, sondern nach einer Lösung zu suchen. Auch hier wieder das Stichwort: Aktiv werden. 

Sich von etwas abgrenzen, dass dir nicht gut tut hat etwas mit Selbstfürsorge zu tun. Nach Joachim Küchenhoff (1999) bedeutet Selbstfürsorge, dass man in der Lage ist, die eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen und Belastungen einzuschätzen. Es bedeutet sich zu schützen und gut mit sich umzugehen.  

 

Was brauchst du genau, damit du dich wohlfühlst?  

ein paar Tipps für mehr Achtsamkeit und Selbstfürsorge im Alltag:  

  • Sag auch mal „Nein“. Du musst nicht immer verfügbar sein. Du musst nicht immer sofort die WhatsApp-Nachricht beantworten. Du lebst nicht, um Anderen zu gefallen. Sag auch mal NEIN zu der Verabredung und nimm dir Zeit für dich. Vielleicht ist jetzt im Herbst mal wieder Zeit für einen Nachmittag in der Badewanne mit einem guten Buch, dass du schon lange lesen möchtest? 

 

  • Entrümpele deine Social Media Kontakte. Hast du Feeds in deinem Verlauf, die dafür sorgen, dass du dich immer vergleichst und dadurch nicht gut fühlst? Weg damit! Bei solchen Energieräubern verpasst du nichts, wenn du diese einfach löschst. 

 

 

 

  • Raus in die Natur. Gerade jetzt im Herbst gibt es kaum etwas Schöneres, als raus zu gehen und die frische Luft zu genießen. Packt euch kuschelig ein und dreht eine Runde im Freien.  

 

Danach geht es euch immer besser, garantiert! Und danach wartet auf euch die Couch mit einer großen Tasse Tee. Nehmt euch ein Buch, kuschelt euch in eine Decke oder hört schöne Musik! Worauf wartet ihr? 

Heute ist Sonntag, welcher Tag eignet sich also besser, um Abstand zu gewinnen?  

Macht´s euch gemütlich und bis zum nächsten Beitrag:

Jackie, Dominique, Katharina und Mary😊