Heute ist der erste November, es ist Sonntag, Blogzeit,  

es ist eine Zeit die viel mit Gefühlen zu tun hat. Es ist Pandemie, ein Virus beherrscht vielfach unser Denken und Handeln. Es ist die dunkle Jahreszeit in der wir zu dunkler und trüber Stimmung neigen und es ist Allerheiligen bzw. Allerseelen. An diesen Tagen besuchen und schmücken viele Menschen die Gräber ihrer lieben Verstorbenen und  erinnern sich an das, was sie für sie waren und was sie ihnen bedeutet haben. 

Wie der Blogtitel schon vermuten lässt, wollen wir uns mit Gefühl(en) beschäftigen. Wir haben uns über Mitgefühl schlau gemacht und was das Mitfühlen mit dem Menschsein zu tun hat. 

Immer wieder lesen wir in unserer heutigen Zeit „unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei XY“, aber was heißt Mitgefühl denn eigentlich, kann ich mit wildfremden Menschen mitfühlen, oder geht das nur bei Vertrauten, bei Familienmitgliedern und Freunden? 

Die gute Nachricht zuerst: Wir Menschen haben von Natur aus die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden. Bestimmt habt ihr schon Situationen im Leben erlebt, in denen ihr Euch so richtig für andere Personen freuen konntet, wenn ihnen etwas Gutes passiert ist. Oder Euch ging das psychische oder körperliche Leid von Jemandem so sehr ans Herz, dass ihr selber Schmerz empfunden habt und diesem Menschen gerne helfen wolltet. Vielen fällt es schwer, mitfühlend zu sein.  Mitgefühl zu empfinden beschränkt sich häufig auf uns nahestehende Personen.  

Dabei ist Mitgefühl eine Eigenschaft, die enorm wichtig für unsere gesamte Gesellschaft ist. Studien zeigen, dass Menschen mit mehr Vorurteilen gegenüber anderen auch weniger Mitgefühl für andere empfinden. Die gute Nachricht: Mitgefühl kann man trainieren. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf das Leben anderer aus, sondern auch auf das eigene Wohlbefinden.  

Mitgefühl ist die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen und diese zu verstehen. Dabei wird es mit positiven Gefühlen und dem Wunsch, sich um anderen zu kümmern, verbunden. Häufig werden Mitgefühl und Empathie als Synonym verwendet, sie haben jedoch eine unterschiedliche Bedeutung. Beide beschreiben die Fähigkeit, sich in andere Personen und Lebewesen hineinversetzen zu können. Empathie empfinden wir oft automatisch, wir spüren dabei genau die Gefühle der anderen. Dies kann aber auch sehr belastend sein, wenn zum Beispiel nahestehende Personen großes Leid empfinden. Mitgefühl ist im Gegensatz zu Empathie eine bewusstere Haltung. Es aktiviert positive Gefühle wie Nähe und Verbundenheit und motiviert dazu, anderen auch tatsächlich zu helfen. Studien zufolge können wir aktiv beeinflussen, für welche Personen und in welchen Momenten wir Mitgefühl empfinden. 

Die Wissenschaft hat festgestellt: 

Der Grund, warum wir die gleichen Emotionen wie andere spüren können, sind die sogenannten Spiegelneuronen. Das sind bestimmte Nervenzellen in unserem Gehirn, die Gefühle anderer Menschen bei uns selbst auslösen lassen, wenn wir eine Handlung beobachten. Spiegelneuronen sind übrigens auch dafür verantwortlich, dass wir manchmal gähnen müssen, sobald unser Gegenüber gähnt. 

⬅ Na, habt ihr auch gegähnt? 

Wie bei der Liebe, ist es beim Mitgefühl.

Um sich um andere kümmern zu können, ist es notwendig, für sich selbst zu sorgen. Doch oft behandeln wir uns selbst schlecht, indem wir uns zum Beispiel einreden, nicht gut genug zu sein oder uns unsere Fehler und Misserfolge nicht verzeihen. Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, hat einmal gesagt: „Wer wahres Mitgefühl anderen gegenüber entwickeln möchte, muss sich selbst erst eine Basis schaffen, auf der er Mitgefühl kultivieren kann – und diese Basis ist die Fähigkeit, sich mit seinen eigenen Gefühlen verbinden und für sein eigenes Wohlergehen sorgen zu können… Um sich um andere kümmern zu können, ist es notwendig, für sich selbst zu sorgen.“ 

Ist das wirklich wichtig? JA! 

Gefühle sind immer da, sie begleiten uns, Tag für Tag ein Leben lang und doch gibt es Menschen denen Attribute zugeschreiben werden wie gefühlskalt, ohne Gefühl, kaltherzig…Eigenartig, oder? 

Manchmal machen sie sich laut und heftig bemerkbar und fordern unsere volle Aufmerksamkeit. Manchmal bleiben sie im Hintergrund und wir beschreiben diesen Zustand dann mit Worten wie z.B: „Ich fühle mich gesund“ 

Unser Körper besitzt eine Art Thermostat, der die Körpertemperatur, unabhängig von der Außentemperatur, immer bei ca. 37 Grad, es gibt auch hier Ausnahmen, hält.  

Wir haben jedoch auch ein geistiges Pendant. Aber nur wenige Menschen machen von ihm Gebrauch, um ihr Gefühlsklima zu regulieren: die Rede ist von unseren Einstellungen. 

Die meisten Menschen reagieren deshalb gefühlsmäßig auf das Klima ihrer Umgebung. Ist das Klima rau und abweisend, sprich, reden andere schlecht über sie, dann fühlen sie sich abgelehnt. Ist das Klima warm und herzlich, dann fühlen sie sich wohl. 

Positive Gedanken erzeugen positive Gefühle. Negative Gedanken erzeugen negative Gefühle. 

Das ist die Macht der Gedanken. 

Klingt ganz schön banal, oder? 

Aber es ist so. 

Um das zu verstehen müssen wir aber klein anfangen 😉

Wie entstehen Gefühle? 

„Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinung über die Dinge. Wenn wir also auf Schwierigkeiten stoßen, in Unruhe und Kümmernis geraten, dann wollen wir die Schuld niemals auf einen andern schieben, sondern nur auf uns selbst, das heißt auf unsere Meinung von den Dingen.“  

Das ist keine neue Erkenntnis, sondern ein Zitat von Epiktet, einem griechischen Philosophen, der ungefähr vor 2000 Jahren gelebt hat. Seine Lehre basierte auf Werten der „Genügsamkeit und Unabhängigkeit des Geistes“  

Kann man durch folgerichtiges Denken lernen, seine Gefühle besser zu steuern? Wir sagen ganz entschieden :“Vielleicht!“ 😉

 

 

Was sind denn überhaupt Gefühle? 

Gefühle sind subjektiv und setzen uns unmittelbar, aber auf sehr individuelle Weise mit unserer Umwelt und mit anderen Menschen in Beziehung. Mit ihrer Hilfe versetzen wir uns in andere hinein und versuchen deren Bedürfnisse zu verstehen. Gefühle schaffen eine persönliche Beziehung und Betroffenheit. Gehen wir bewusst mit unseren Gefühlen um, dann erhalten wir wichtige Informationen über uns selbst, unsere Mitmenschen und unsere Beziehungen zu ihnen, die unserem Verstand möglicherweise ganz verborgen blieben. 

Dabei sind Gefühle nicht per se gut oder schlecht – sie machen nur auf innere Spannungen und unerfüllte Bedürfnisse aufmerksam.  

Unterdrückte Gefühle, also solche, die wir ignorieren und ins Unterbewusstsein zurückdrängen, können aber unsere Gedanken, unser Verhalten und letztlich unsere Gesundheit beeinflussen. Umso wichtiger ist es, dass wir wieder lernen, unsere Gefühle als solche zu erkennen und entsprechend zu deuten, bevor sie aus uns herausbrechen. Denn nur wenn unsere Gefühle mit unserem Körper und unserem Geist in Einklang sind, können wir körperliche, gesundheitliche und seelische Probleme vermeiden. 

Ist es nicht so, dass wir alle möglichst glücklich sein wollen? Negative Gefühle wollen wir loswerden, denn wir wollen nur die positiven Emotionen. Aber, warum ist denn so schwierig glücklich zu werden? Warum kann sich nicht immer alles leicht und einfach und wunderbar anfühlen? 

Ganz einfach: Weil wir Menschen sind. Anders gesagt: Weil das völliger Quatsch ist, die ganze Zeit glücklich zu sein. Egal wer das behauptet, es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der den Zustand konstanten, dauerhaften Glücks erreicht hat oder erreichen kann. Das ist nicht menschlich. 

 

 

 

 

Wofür wir Emotionen brauchen 

Unsere Emotionen sind Hinweise, wie wir eine Situation bewerten, sie lösen Handlungsimpulse aus. Zum Beispiel löst Furcht den Impuls zur Flucht aus, Zorn dagegen verleitet zum Angriff. Solche negativen Emotionen schränken die Perspektive ein, positive erweitern sie (engl. broaden), öffnen das Herz und machen kreativ. Aus dieser Beobachtung hat die Psychologin Barbara Fredrickson ihre „broaden and build“ Theorie entwickelt: Der Umgang mit Emotionen und unser Verhältnis dazu sind entscheidend, denn beide, positive und negative Gefühle, haben ihre Berechtigung. Negative Gefühle sind in konkreten Situationen Überlebens wichtig, positive für langfristiges Lernen. 

Eigentlich ist es sinnvoll, dass emotionale Muster sich früh festigen, denn Emotionen vor allem die negativen – sind dafür da, uns zu schützen. »Wir können schnell reagieren, ohne vorher lange nachdenken zu müssen«, sagt Gerhard Stemmler, Professor für Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung an der Universität Marburg.  

Angst lässt uns fliehen, Wut kämpfen, Schamgefühl sichert das Einhalten sozialer Regeln und schützt somit vor dem Ausschluss aus der Gruppe. »Emotionen sind ein Überlebensvorteil«, sagt Stemmler. 

Nur haben wir natürlich in unserer modernen Welt weniger (oder zumindest ganz andere) Gefahren, die in den meisten Fällen auch nicht unbedingt lebensgefährlich sind: Eine Präsentation vor einem Kunden wird uns in den meisten Fällen nicht das Leben kosten. Uns vor anderen blamieren wird nicht dafür sorgen, dass wir nicht mehr Überlebens fähig sind.  

Im Alltag kann daraus jedoch ein Nachteil werden: Wenn man ständig in Tränen ausbricht oder an die Decke geht oder jeden Vortrag mit flauem Magen hält. Langfristig können chronisch-negative Emotionen krank machen, die Psyche und sogar das Herz oder andere Organe belasten. 

Leider haben die negativen Emotionen nicht nur einen schlechten Einfluss auf unseren Körper, indem sie zum Beispiel die Arbeit des Immunsystems behindern und Entzündungen fördern, Heilungsprozesse verlangsamen oder dem Herzen schaden. Sie haben auch mentale Konsequenzen. Wir wiederholen das Problem innerlich immer wieder und es wird in unserer Erinnerung größer, als es in der Realität je war. Diese negativen Gedanken führen zum sogenannten „Tunnelblick“.  

 

 

Scheuklappen und Tunnelblick 

Unsere Wahrnehmung fokussiert sich auf all das, was zu unseren Annahmen passt, alles andere filtern wir gnadenlos heraus. Wir schauen nicht mehr rechts und links, das, was wir sehen, ist ein Mini-Ausschnitt, und wir nennen ihn „Realität“. Eigentlich müssten wir „meine Realität“ sagen. Haben wir uns einmal darauf eingeschossen, dass unsere Arbeit stresst und nervt, dann wird das auch so sein, weil wir nur diese Aspekte wahrnehmen. Dieses Phänomen geht so weit, dass wir uns mit Menschen umgeben und solche als Ratgeber suchen, die uns in unserer Meinung bestärken. 

Auch unsere Verhaltensentscheidungen passen zu unseren Gedanken. Ein Gedanke ist wie ein Verhaltensprogramm. Das Gehirn unterscheidet nicht, ob er gut oder schlecht für uns ist, also ob wir etwas befürchten oder „herbeisehen“. Es richtet sich kritiklos nach diesem Denken. Wenn wir zu einer Geburtstagsfeier mit dem Gedanken gehen, dass dort nur lauter Langweiler anzutreffen sind, dann werden wir uns genau zu diesen setzen und unsere Meinung bestätigt finden. 

Zwar werden Menschen im Laufe des Lebens emotional stabiler und reagieren weniger heftig, wie Langzeitstudien zeigen. Zu sehr sollte man sich darauf aber nicht verlassen. Denn das Grundtemperament bleibt. Wer zu Wut, Angst oder Traurigkeit neigt, für den wird das wahrscheinlich immer ein Thema bleiben. 

Die klinische Forschung zeigt aber, dass Menschen lernen können, damit umzugehen. »Mittlerweile zeigt eine kaum noch zu überblickende Anzahl an Psychotherapiestudien, dass sich emotionale Verhaltensweisen beeinflussen lassen, auch noch im fortgeschrittenen Alter«, sagt Berking. 

Voraussetzung dafür ist die neuronale Plastizität: Die emotionalen Schaltkreise im Gehirn sind auch bei Erwachsenen noch formbar. Neue Nervenzellen können wachsen, Verbindungen zwischen Nervenzellen aufgebaut und bestehende Verbindungen gestärkt werden. »Es ist möglich, positiv wirkende Hirnareale gezielt zu stärken«, sagt Berking. Hirnscans zeigen zum Beispiel, dass Angsttherapien zu einer verstärkten Aktivierung von Strukturen im Vorderhirn führen, welche hemmend auf die Mandelkerne wirken jene Regionen, die bei Bedrohung aktiviert werden. »In einer beängstigenden Situation springen sie dann zwar erst einmal an, gleichzeitig werden aber auch die neu aufgebauten Areale aktiviert, die sie hemmen.« Solche positiv wirkenden Strukturen könne man »wie einen Muskel« trainieren. 

 

 

lernen mit unseren Gefühlen umzugehen 

Wie? Indem wir die Einstellung den Emotionen selbst gegenüber ändern. »Man sollte sie nicht als Gegner, sondern als Verbündete sehen«, sagt er. »Wenn ich vor einem Vortrag Angst spüre, will meine Psyche mir ja eigentlich helfen. Sie will mir zeigen, dass etwas auf dem Spiel steht, und erhöht kurzfristig meine Leistungsfähigkeit.« Die Kunst bestehe darin, diese Hilfestellung zu akzeptieren oder gar konstruktiv zu nutzen – etwa für einen besonders mitreißenden Vortrag.  

Ob wütend, aggressiv, in Panik, ängstlich, unsicher oder gereizt: Unsere Gefühle haben eine ganze Menge damit zu tun, was wir denken. In der jeweiligen Situation, aber auch generell über die Welt und über uns selbst. Denkt an einen besonders stressigen Arbeitstag: „Mein Gott, wie soll ich das nur schaffen?“, denkt ihr, dadurch werdet ihr andere Gefühle haben, als wenn ihr im Supermarkt in der Schlange an der Kasse stehen und innerlich stöhnt: „Mein Gott, geht das hier wieder langsam!“ Von euren Gedanken, Erfahrungen und Einstellungen hängt es vor allem ab, ob Stress euch eher ängstlich oder wütend macht. 

Oft sind wir selbst unsere strengsten Antreiber.  

Mit Forderungen wie „Mach es immer perfekt“ oder „Sorg dafür, dass du von allen gemocht wirst“ setzen wir uns selbst unter Druck und nehmen uns dadurch Handlungsmöglichkeiten. Solche inneren Antreiber sind oft nicht bewusst präsent, aber innerlich trotzdem sehr wirksam. Wir glauben, dass wir sie unbedingt erfüllen müssen. Wenn nicht, so fürchten wir, könnte etwas Schreckliches passieren. Meist wissen wir gar nicht bewusst, was das sein könnte. 

Oft sind es ganz einfache, persönliche Katastrophen, die wir fürchten. Zum Beispiel, nicht geliebt zu werden. Verlassen zu werden. Diese Furcht ist die Furcht eines Kindes. Denn für ein Kind ist dauerhafter Liebesentzug existenzbedrohend. Es entwickelt deshalb Strategien, um ihn zu vermeiden. Und oft hilft dann: Keine Fehler machen. Immer lieb sein. Schön vorsichtig sein. Oder wenn der Liebesentzug schon Realität ist: zu lernen, allein zurechtzukommen.  

Unsere Anforderungen an uns selbst sind früh gelernte, erfolgreiche Wege, solchen Katastrophen aus dem Weg zu gehen. Und weil sie sich in der Vergangenheit als wirksam erwiesen haben, stellen wir sie meist auch als erwachsener Mensch nicht in Frage.  

Gefühle geben uns Auskunft darüber, was wir wirklich wertschätzen. Sie sind ein Spiegel unseres inneren Wertesystems und zeigen uns unsere intrinsischen (aus eigenem Antrieb, aus uns selbst heraus) und unbewussten Beweggründe auf. Wenn wir uns zum Beispiel häufig über die Eigenarten unserer neuen kompetenten Kollegin ärgern, sagt das im ersten Moment vielleicht gar nicht so viel über die andere Person aus. Es könnte einfach Ausdruck davon sein, dass wir uns in Gegenwart der neuen Kollegin nicht mehr gesehen oder wertgeschätzt fühlen. Im ersten Schritt ist die sprachlich konkrete Benennung unserer Gefühle essenziell, weil wir sie uns dadurch ins Bewusstsein rufen. Wir können uns in diesem Beispiel fragen: 

  •     Was ärgert mich wirklich an meiner neuen Kollegin?  
  •     Welche Gefühle löst das in mir aus?  
  •     Was sagen diese Gefühle über mich selbst aus? 

Die Antworten auf diese Fragen können vielfältig sein. So ist der eine verärgert darüber, dass er selbst vermeintlich an persönlichem Stellenwert und Wertschätzung verliert, und der andere ist ärgerlich, weil er durch die Konkurrenz seine beruflichen Ziele in Gefahr sieht. Die Unterdrückung von Eifersüchteleien kann nur eine kurzfristige Lösung sein. Die Erkenntnis und Akzeptanz von diesem Gefühl ist wichtig, dennoch wäre es sozial und moralisch bedenklich, aus Neid schlecht über die neue Kollegin zu sprechen oder sie gar zu sabotieren. 

Gefühle zu unterdrücken, darüber zu grübeln oder direkt ins falsche Positiv umzudeuten führt eher zu einer Intensivierung dieser Gefühle und nicht zu einer nachhaltigen Lösung, mit der wir langfristig zufriedener wären. Wenn wir bei wichtigen Entscheidungen für unser Leben ständig ins ängstliche Grübeln geraten, führt das eher dazu, gar nicht erst in die Umsetzung zu gelangen. Ganz nach dem Motto „Ich will das nicht ausprobieren, weil ich Angst habe (enttäuscht zu werden)“. 

Gleichzeitig wünschen sich die meisten von uns, ein erfülltes Leben zu führen. Susan David eine US-Psychologin erklärt, dass es dafür sogar notwendig ist, sich unangenehmen Gefühlen wie Angst, Leid, Enttäuschung und Reue zu öffnen, um Antworten für die Gründe unserer emotionalen Reaktionen zu finden. Sie beschreibt diesen Prozess als emotionale Agilität. In der radikalen Akzeptanz all unserer Gefühle – ob unangenehm oder angenehm – liegt das Potenzial für charakterliche Stärke, Resilienz (psychische Widerstandskraft) und wahrhaftige Lebenszufriedenheit. 

Bei emotionaler Agilität geht es darum, aufkommende Gefühle als Informationsquelle zu sehen und sie mit all unserem Wissen über unser Selbst zu analysieren. Habe ich in einer anderen Situation ähnlich gefühlt? Kenne ich das Gefühl aus einem anderen Kontext? Gleichzeitig sind Gefühle nur Daten über unsere inneren Werte, aber beschreiben nicht unsere komplette Identität. Eine Überidentifikation mit unserer Gefühlswelt kann sogar Leid verschlimmern – indem wir zum Beispiel in Trauer, Wut oder Angst versinken oder sie gegenüber anderen ausagieren. Negativ konnotierte Emotionen sind also zunächst ausschließlich als Hinweis für eine mögliche Persönlichkeitsentwicklung zu sehen. 

Dennoch können wir für unsere emotionalen Reaktionen nichts. Entscheidend ist ein verantwortlicher Umgang damit. Wir sollten uns also weiterhin fragen: Wer möchte ich sein? Wie möchte ich meine Mitmenschen behandeln? Welche Werte drücken meine Gefühle eigentlich wirklich aus? Im oben genannten Beispiel könnte der Ärger über eine neue Kollegin und ihren schnellen Aufstieg auch bedeuten, dass es unbewusste eigene Ziele und Ambitionen im Beruf gibt, die uns selbst bis jetzt nicht bewusst waren. Nun können wir uns zum Beispiel fragen, was unsere beruflichen Ziele und Ambitionen eigentlich sind – und das bietet uns die Chance, uns weiterzuentwickeln. 

Je besser wir unsere eigenen Emotionen benennen können, desto bewusster sind sie uns – und desto gewünschter können wir unser Leben gestalten. Außerdem steuern unsere Gedanken unsere Gefühle: Wird uns das erst einmal klar, sind wir letzteren nicht einfach ausgeliefert, sondern können selbst wirksam für positive Stimmung sorgen. 

 

Probiert es! Berichtet gerne! Zum Beispiel in dem ihr die Kommentarfunktion nutzt oder berichtet auf Instagram oder Facebook!

 

Das wars für heute, bis zum nächsten Beitrag: 

Jackie, Dominique, Katharina und Mary😊