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Definition

Eine Tradition ist ein Glaube oder ein Verhalten, das innerhalb einer Gruppe oder einer Gesellschaft weitergegeben wird. Dabei spielt auch die symbolische Bedeutung, deren Ursprung in der Vergangenheit liegt, eine große Rolle. Traditionen können über Jahrtausende bestehen und sich weiterentwickeln. Das Wort „Tradition“ selbst stammt vom Lateinischen „tradere“ oder „traderer„, was wörtlich so viel bedeutet wie „übermitteln, weitergeben, weiterreichen“. Das Konzept der Tradition als Idee, an einer vorausgegangenen Zeit festzuhalten, wird auch im politischen und philosophischen Diskurs gefunden. 

Tradition bedeutet, dass man etwas tut, das die Menschen schon früher gemacht haben. Das Wort kommt aus dem Lateinischen. Man kann es in etwa mit Übergeben oder Überlieferung übersetzen. Man übergibt also Gedanken oder ähnliches. 

Gerade in der dunklen Jahreszeit besinnen sich viele Menschen auf Rituale und Traditionen, erinnern sich an die Bräuche ihrer Kindheit: das jährliche Plätzchenbacken, die Kerze am Adventsgesteck, den Besuch an Opas Grab. Aber auch übers Jahr, im ganz normalen Alltag, pflegen viele Familien Rituale. Wie entstehen sie? Welche Bedeutung kommt ihnen zu? Die Sitten und Gebräuche sind oft von Gegend zu Gegend unterschiedlich. Sie sind dann typisch oder besonders für die Gegend. Gelebte Tradition heißt auch Folklore. Zwei Wissenschaften, welche Bräuche untersuchen und vergleichen, sind die Volkskunde und die Ethnologie. 

 

Ohne Traditionen geht es nicht! 

Unser ganzes Leben ist von Traditionen, Riten und Ritualen – kulturellem Erbgut und formellen Regeln mit hohem Symbolgehalt durchwoben. Weder Kultur noch Zivilisation sind ohne generationsübergreifend bewährte Glaubensvorstellungen, Handlungsmuster und Überzeugungen denkbar. Traditionen erzeugen überhaupt erst einen geschichtlichen Konnex, ermöglichen Kontinuität und Veränderung. Sie vermitteln Stabilität und Verlässlichkeit über den Moment hinweg, weisen über sich selbst hinaus und vernetzen frühere, heutige und künftige Generationen. 

Es ist eine sehr persönliche Entscheidung der Eltern, welche Traditionen und Brauchtümer sie an ihre Kinder weitergeben. Jede Familie hat ihre ganze eigene Interpretation von Tradition und diese Individualität sollte auch beibehalten werden. Hinzu kommen die verschiedenen Einflussfaktoren, wie Religion und Kultur, die aktuelle Gesellschaft und die Lebensverhältnisse, die Menschen ganz unterschiedlich stark prägen.

Für Familien, die aus einem anderen Land stammen, ist es oft noch schwieriger einen Weg zu finden, um bekannte Traditionen aus dem Heimatland nicht verloren gehen zu lassen und den Kindern trotzdem die Möglichkeit zu geben, sich auch mit den hier vorherrschenden Bräuchen zu identifizieren. 

Weihnachten ist das volkstümlichste aller christlichen Feste, doch sogar seine Traditionen bröckeln wie alter Kitt. Das Christfest versinkt im Treibsand von Kitsch und Klischee, Konsum und Kommerz. Es ist nicht mehr wichtig was wir feiern, sondern das wir feiern. 

 

Wandelbare Überlieferungen 

Traditionen sind allerdings nicht in Felsen gemeißelt. Sie wandeln sich so wie Werte, Institutionen und Handlungsmuster. Ein Beispiel: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa werden die meisten Deutschen Weihnachten nicht in die Kirche gehen. 

Vor wenigen Jahrzehnten war die Christmette für die meisten Familien noch so selbstverständlich wie Lametta auf dem Tannenbaum. Und nun das: Selbst Kirchenmitglieder wollen zu Hause bleiben. Gerade mal 36 Prozent der katholischen, 31 Prozent der evangelisch-landeskirchlichen und 43 Prozent der freikirchlichen Gläubigen haben 2019 einen Gottesdienst besucht. In der Gesamtbevölkerung sind es schlappe 21 Prozent. 

Kennt Ihr noch? ➡ „Früher war mehr Lametta“ ▶

„Früher war mehr Lametta“, ereifert sich Opa Hoppenstedt in dem legendären Loriot-Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ aus dem Jahr 1997. Den schmalen Glitzerstreifen aus Stanniol, der früher auf keinem Christbaum fehlen durfte, ergeht es wie vielen Traditionen: Sie haben ihre beste Zeit hinter sich. Lametta, das traditionsreiche gold- und silberfarbene Christmas-Accessoire, ist zum Symbol für so viele in Vergessenheit geratene weihnachtliche Bräuche und Sitten geworden. Mit Lametta und der Mette ist es wie mit allen Traditionen: Man muss sie leben. Nur dann entfalten sie ihre psychologischen und sozialen Wirkkräfte. 

 

Lebendige Traditionen 

Was die Bedeutung von Ritualen für das Familienleben betrifft, sind die Experten sich einig. Rituale kommen sogar im jüngsten Familienbericht der Bundesregierung vor: „Für die Qualität des Familienlebens sind vorhersehbare Abläufe und Rituale wichtig.“ Es sind nicht nur die Feste, die damit gemeint sind, zum Beispiel der erste Schultag mit der Schultüte oder die Abiturfeier – Rituale geben auch dem Alltag eine Struktur, gemeinsame Mahlzeiten, das Zubettgehen mit der immer gleichen Zeremonie, zum Beispiel Vorlesen.  

Immer noch lesen sehr viele Eltern in Deutschland ihren Kindern vor dem Einschlafen vor. Die meisten Deutschen sind auch der Ansicht, dass regelmäßiges gemeinsames Essen ein wichtiger Faktor für familiäres Glück ist. 

Durch Traditionen gewinnt der Mensch Sicherheit und Stabilität. Sie schaffen ein Zusammengehörigkeitsgefühl und stiften Identität, bringen Ordnung in den Alltag, helfen Krisen zu bewältigen, ermöglichen Begegnung und Beziehung. Dafür müssen sie aber immer wieder eingeübt und erprobt, vorgelebt und erneuert werden. Sonst werden sie brüchig wie alter Kitt, der nicht mehr haftet und seine Bindungsfähigkeit verliert. 

 

 

Was für Rituale und Bräuche und Traditionen gibt es in unserem Alltag? 

In manchen Ländern wird zum Schulbeginn sogar die Landesflagge gehisst und die Landeshymne gesungen. Es werden Amtseide geschworen, Rekruten vereidigt. Auf Kreuzfahrtschiffen feiern sie die Äquatortaufe, wir trinken wie im Karl-May-Roman Old Shatterhand mit Winnetou Blutsbrüderschaft, oder feiern Karneval, gehen zum Schützenfest, auch in den Familien gibt es bestimmte Traditionen und Bräuche. 

 

Warum ist das wichtig? 

„Es muss feste Bräuche geben,“ erklärt der Fuchs dem kleinen Prinzen (Antoine de Saint Exupéry: Der kleine Prinz. Düsseldorf 1978, 51), als dieser sich beim Versuch der Fuchszähmung unbeholfen anstellt. „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nicht wissen, wann mein Herz da sein soll … Es muss feste Bräuche geben.“ 

Und als der kleine Prinz fragt: „Was heißt ‚fester Brauch?‘“, antwortet der Fuchs: „Auch etwas in Vergessenheit Geratenes. … Es ist das, was einen Tag vom anderen unterscheidet, eine Stunde von den anderen. … Sonst wären die Tage alle gleich …“ 

Eben deshalb kennt der Mensch auch „Zeit“, lernte sie zu messen und fragt nach dem Sinn seines Lebens. Nur der Mensch fragt: Wer, was, wie, wann, wo – und hoffentlich auch – warum … 

Stellt Fragen, nehmt nichts so hin, bleibt neugierig! 

“Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie Wissensdrang.”  

Marie von Ebner-Eschenbach  

 

Das wars für heute, bis zum nächsten Beitrag:

Jackie, Dominique, Katharina und Mary😊