Hey, da sind wir wieder!

Da wir uns zurzeit intensiv mit unserem aktuellen Projekt “Glücksmensch- Glück kennt kein Handicap“ beschäftigen und uns in diesem Rahmen auch viel mit den Themen: Behinderung, mit Behinderung leben etc. auseinandersetzen, wollen wir darüber heute auch mal bloggen. 

Menschen mit Behinderung sind das die, die nicht normal sind? Dieser Ausspruch entspricht absolut nicht unserer persönlichen Meinung, im Gegenteil wir wollen uns davon weitestgehend distanzieren, mit dem Satz wollen wir Euch aber mal wirklich zum Nachdenken anregen: Was ist schon normal?  

Normal- Ein scheinbar einfaches Wort, das wir alle oft benutzen. Normale Haut, Normaltemperatur, Normalzustand, Normalnull, Hast du dich jemals gefragt, was für dich normal ist? Vielleicht ist normal gerade dadurch definiert, dass damit die Dinge gemeint sind, die uns nicht auffallen, wenn wir ihnen begegnen, eben weil sie normal, alltäglich sind. Es ist normal das unsere Supermärkte gut gefüllte Regale aufweisen, das ist uns aber erst aufgefallen als Nudeln, Fertigmahlzeiten und Hygieneprodukte, besonders das Toilettenpapier, in der ersten Hochphase der COVID-19-Pandemie plötzlich ausverkauft, vergriffen, einfach nicht mehr zu kaufen waren und das über Wochen. Toilettenpapier wurde zum umgangssprachlichen „Corona-Gold“. 

  Nor|mal, Mehrzahl: Nor|ma|le:

„1. der Norm entsprechend, 2. so [beschaffen, geartet], wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, Richtige vorstellt. [Besonderer Hinweis in der veraltenden, wertenden Bedeutung sollte das Wort normal im öffentlichen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden. Das gilt besonders dann, wenn es als Gegensatzwort zu (geistig) behindert oder im Sinne von heterosexuell gemeint ist.“ (Duden © Bibliographisches Institut GmbH, 2020) ]

Normalität kommt von Norm, dafür gibt es sogar extra eine Einrichtung in Deutschland: 

Das Deutsche Institut für Normung, mit Tausenden von Norm-Experten. Die sorgen dafür, dass das Papier DIN- A4 in den Drucker passt, die Glühlampe in die Fassung und der Stecker in die Steckdose. Normen schaffen Erfolg, sagt das Institut und verkündet auf seiner Homepage: Passgenau und DIN-genormt. „Normen fördern den weltweiten Handel und dienen der Rationalisierung, der Qualitätssicherung, dem Schutz der Gesellschaft sowie der Sicherheit und Verständigung. Normen erbringen einen hohen wirtschaftlichen Nutzen, der für Deutschland auf rund 16 Milliarden € pro Jahr beziffert wurde.“ So weit, so praktisch. Für die Vorstellungen von Normalität in unseren Köpfen ist das Institut allerdings nicht zuständig. Und damit wären wir wieder bei der Frage: Was ist das überhaupt – „normal“? 

Normal sind für uns Dinge, denen wir alltäglich begegnen und die wir nicht hinterfragen. Oft ist das hilfreich, weil wir uns so keine Gedanken mehr über die Dinge machen müssen, die uns täglich begegnen. Natürlich steckt auch ein bewusstes oder unbewusstes Annehmen dahinter. Damit Dinge für mich normal werden, muss ich sie angenommen, akzeptiert haben, egal, wie ich früher, unter den alten Umständen dazu stand. 

„Normal“ ist ein Begriff mit vielen Gegensätzen. Wer im positiven Sinne nicht normal ist, wirkt für die einen originell, kreativ, mutig und für die anderes exzentrisch oder unangepasst. Das gleiche, unnormale Verhalten – zum Beispiel als Bankangestellter auffällig bunt gekleidet zu sein oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln sich lautstark zu unterhalten- betrachten andere als unkorrekt. Die Bezeichnungen für Normverstöße lassen sich weiter steigern mit Worten wie abartig, pervers, behindert, kriminell und krank. Wer so urteilt, verwechselt oft das gewohnt Selbstverständliche mit der Vorstellung vom natürlichen Richtigen. 

Diese Frage nach „NORMAL“ ist nicht so leicht zu beantworten. Die Grenzen zwischen behindert und nicht behindert sind fließend. Ab welcheDioptrienzahl wird eine starke Brille zu haben zur Behinderung? Sind psychische Krankheiten, wie Depressionen, auch eine Behinderung? Und was ist mit Beeinträchtigungen, die man nicht sieht, z. B. einem Herzfehler? Die wenigsten von uns haben eine absolut uneingeschränkte körperliche Funktionsfähigkeit. Sind wir also alle ein bisschen behindert?  

Traditionell wird Behinderung als medizinisches Problem betrachtet. Ob jemand behindert ist, entscheidet die Medizin. Behinderung ist in dieser Sichtweise eine Krankheitsfolge, die mit Störungen und Defiziten bei der betreffenden Person einhergeht. Bei dieser Sicht auf Behinderung kommt ein wichtiger Aspekt zu kurz: die sozialen Folgen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Abweichung. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO folgt deshalb neueren Ansätzen und unterscheidet in drei Dimensionen von Behinderung:  

  • Behinderung ist zum einen eine „Schädigung (engl. impairment) von Organen oder Funktionen des Menschen.“  
  • Behinderung ist aber auch eine „Beeinträchtigung (engl. disability) des Menschen.“ Auf Grund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Schädigung verfügt eine Person über eingeschränkte oder gänzlich andere Fähigkeiten im Vergleich zu nichtgeschädigten Menschen. Es sind also Funktionsbeeinträchtigungen, die typische, »normale« Alltagsituationen behindern oder unmöglich machen.  
  • Schließlich schließt Behinderung auch eine „Benachteiligung (engl. handicap) des Menschen im körperlichen und psychosozialen Feld ein.“ Behinderung heißt hier auch „behindert werden“, also die nachteiligen Konsequenzen von Schädigung und Beeinträchtigung in familiärer, schulischer, beruflicher und gesellschaftlicher Hinsicht.  

Diese Definition unterstreicht, dass Behinderung nicht in erster Linie eine Eigenschaft einer Person ist. Menschen mit einer Schädigung sind in bestimmten Aspekten beeinträchtigt und werden von ihrer Umwelt in verschiedener Hinsicht aus diesem Grund behindert. Der Begriff Behinderung ist nicht unumstritten: Er verleiht einerseits Schutz und Hilfe, z.B. den Anspruch auf spezielle Förderungen, auf Eingliederungshilfen oder auf finanzielle Unterstützungen. Andererseits bedeutet er aber auch Stigmatisierung und Ausgrenzung.  

– Schluss für heute, Teil II kommt am Mittwoch!-

Jetzt die Frage an EUCH: Was ist für euch „normal“?

Bis zum nächsten Beitrag:

Jackie und Mary😊